Luna
geb. ca. 2000 Bardino- Mix
Als im Oktober 2002 unser Hund Charly an Nierenkrebs erkrankte, konnten wir nichts mehr für ihn tun. Während der Operation musste er eingeschläfert werden. Eigentlich wollten wir keinen Hund mehr. Wir vermissten ihn aber so sehr, dass wir uns im Internet umschauten. Auf der Homepage von „Tiere suchen ein Zuhause“ sahen wir eine Hündin, die uns gefiel. Es sollte ein Bardino-Bracke-Mischling sein und sie kam von der Insel Teneriffa. Die Hunderasse „Bardino“ war uns völlig unbekannt und so schaute ich in allen Hundebüchern nach die ich finden konnte, fand aber keine Angaben. Da unser Hund Charly sehr verträglich mit Artgenossen war, traf ich mich fast jeden Tag mit einer netten Gruppe von „Hundefreunden“. Wir dachten mit einer spanischen Straßenhündin kann man da nicht viel falsch machen, da in Fernsehen ja so oft erzählt wird, wie verträglich sie sind. Die anderen Hundebesitzer hatte ja auch meistens Rüden. So fuhren wir im November nach Aschaffenburg und holten unsere Hündin Luna aus der Pflegefamilie. Man sagte uns noch, dass sie etwas zickig mit der eigenen Hündin wäre, es aber schon besser würde. Da die Hündin ein wirklicher Wirbelwind war, konnte ich mir schon vorstellen, dass sie anderen Hunden auf den Nerv gehen kann. Natürlich war es für die Luna sehr schwer, nach vier Wochen in der Pflegefamilie, in unser Auto zu steigen. In unsere Wohnung ist sie gekrochen. So etwas Ängstliches habe ich noch nicht gesehen. Wenn ich mit ihr spazieren gehen wollte musste ich sie anleinen, da sie nicht aus der Wohnung wollte. Sie hat kaum geschnüffelt und hat sich sehr unwohl gefühlt. Wir trafen uns jetzt wieder zu den Spanziergängen mit der Hundegruppe. Ich hielt Luna noch an der Leine, denn sie war sehr unsicher. Das erste was man mir sagte war, dass man aber schon ein großes Hundeherz für so eine Hündin braucht. Da sie gestromt war, schauten die Leute schon etwas skeptischer als bei einem Retriever. Natürlich wurde ich auch gleich gefragt, ob es denn ein Kampfhund sei. Nach kleinen Anfangsschwierigkeiten vertrug sich die Luna mit der sehr jungen kleinen Hündin meiner Mutter. Lunas Zickereien begannen damit, dass ein Hund die Hündin meiner Mutter überrannte und Daisy schrecklich quietschte. Luna war sofort zur Stelle und zeigte dem Rüden die Zähne. Wir waren alle erstaunt über die heftige Reaktion. So wurden jetzt nach und nach alle anderen Hunde angegangen. Mir war es ziemlich peinlich und ich war auch immer sehr überrascht. Die Frau, die zu mir sagt hatte: “für so einen Hund brauch man ein großes Hundeherz“, sagte mir jetzt: “Das ist ein richtiger Problemhund. Ich habe da mit jemandem gesprochen, der sich damit auskennt und der hat gesagt, da kann man nichts mehr machen, den Hund dürfen Sie nie von der Leine lassen.“ Da war ich richtig frustriert und traurig. Bis auf ein paar Hartgesottene, die sagten: „die Luna braucht nur etwas Zeit“, wollte keiner mehr mit mir spazieren gehen. Mir wurde eine Hundeschule empfohlen um etwas gegen ihre Ängste zu unternehmen. Im Februar begannen wir mit Einzelunterricht und im März besuchte ich Spielgruppen und später auch einen Kurs für Anfänger. Luna musste einen Maulkorb tragen, da sie förmlich ausrastete, wenn sich ihr andere Hunde näherten. Für solch ein Verhalten musste ich sie strafend auf den Rücken werfen. Ich musste ihr die Beine wegziehen und so knallte sie auf den Rücken. In dem Anfängerkurs wurde auch nicht mit Leckerchen gearbeitet, so war Luna kaum zu bewegen mitzuarbeiten. Es war sehr mühsam. Da Luna mehr auf den Rücken lag als stand und es sich auch nicht besserte, fühlte ich mich sehr unwohl. Ich überlegte, ob es der richtige Weg für uns sei. In der Hundeschule versuchte man mich zwar zu bestärken aber ich wurde immer skeptischer. Eine ehemalige Kollegin, die auch eine spanische Hündin hat, bat ich um Rat. Es war mir peinlich und ich schämte mich, ihr zu beschreiben, was ich in der Hundeschule mit meinem Hund machen muss. Sie gab mir einige Hundebücher und sagte mir am Besten gehst du zur Edith, die kennt sich auch mit spanischen Hunden aus. Sie wird dir helfen. In der ersten Hundeschule hatte ich immer ein ungutes Gefühl mit meinem spanischen Hund. Dort gab es fast keine Spanier und man hatte auch nicht viel Verständnis, einen Hund aus dem Ausland zu holen. In der Hundeschule Lechtenfeld ist es anders. Hier fühlen wir uns beide sehr wohl. Ich sehe , dass andere Hunde auch schon einmal zicken. Das Luna sich nicht unnormal verhält. Hier wird erklärt warum ein Hund bestimmt Dinge tut. Hier wird mit Leckerchen gearbeitet, was es sehr viel einfacher macht. Es wird keiner auf den Rücken geworfen. Und mir wurde erstmal erklärt, warum Luna jedes Mal so ausrastete. Luna geht schon seit anderhalb Jahren begeistert zur Hundeschule. Sie quietscht vor Freude, wenn ich ihr sage, dass wir zur Hundeschule fahren. Sie arbeitet mit sehr viel Erfolg in der Gruppe mit. Sogar ohne Leine und akzeptiert es sogar das ihr andere sehr nah kommen. (Edith meint, wir sollten die Begleithundprüfung machen.) Ich glaube aber, das Meiste habe ich dazu gelernt. Ich hatte keine Ahnung von Beschwichtigungssignalen und vielen anderen Dingen. Im Nachhinein finde ich es traurig, dass ich viele Dinge bei unserem Hund Charly nicht verstanden habe, obwohl wir uns so nahe standen.
Unsere Luna möchten wir wirklich nicht mehr missen. Sie ist eine sehr süße Maus. Mit einigen Hunden versteht sich die Luna sehr gut. Wir mussten nur einige Zeit üben, bis ihr klar war, dass die Hunde ihr nichts tun. Manchmal ist nur etwas Zeit und Geduld nötig, denn es lohnt sich.
Claudia Wisselück